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Bericht
der Turney zu Rosen in Normont
Herr Leomar und ich reisten zusammen
mit Friedrich, der nun bei Herr Leomar in die Knappschaft
getreten war, aus Kranichfeld zur Turney an.
Nachdem ich jetzt schon seit einigen Monaten Herrn
Leomar auf seinen Reisen begleite, war es nicht der
längste Weg, den wir in dieser Zeit zurücklegen
mussten, und ich war solche Strapazen mittlerweile
gewohnt.
Unterwegs trafen wir, wie vereinbart, auf Herrn Baldur
und Herrn Sigismund. Herr Baldur hatte seine Knappen
Bartholomäus und Anne-Sophie(Herr Leomars Schwester)
und Herr Sigismund seinen Knappen Frederick dabei.
Ich war überaus froh Frederick so wohlauf zu
sehen, nachdem er bei unserer letzten Begegnung in
Gleystoke beinahe das Leben gelassen hatte.
Ausserdem begleiteten uns die Baroness Leandra Patricia
von Dunkelbrunn mitsamt ihrer neuen Hofdame, der Dame
Juliana von Werdenfels. Gerüchten zufolge soll
Herr Baldur sie, als Sprössling der alten Werdenfelser
Adelsfamilie, in die Obhut der Baroness übergeben
zu haben, damit sie auf ihre zukünftigen Aufgaben
als Adelsdame vorbereitet wird.
Je mehr wir uns dem Gelände näherten, auf
dem die Turney ausgerichtet werden sollte, desto offensichtlicher
wurde, wie groß dieses Spektakel werden sollte.
Wir hatten unsere liebe Not einen geräumigen
Platz zu finden auf dem wir unser Lager aufschlagen
konnten. Ausserdem trafen wir auf viele bekannte Gesichter,
darunter sowohl Freunde und Bekannte aus Luhenburg,
Galladoorn so wie Allerland.
Sogar die Galladoorner Königin Viviane ein Eichenhain
war zur Turney angereist. Seine Majestät König
Hector I. hatte sich auch angekündigt.
Er erschien jedoch erst am nächsten Morgen.
Wie sich herausstellte wurde die Ankunft König
Hectors beinahe zu einer Art freudigem Familientreffen.
Denn seine Majestät wurde nicht nur vom Kronritter
Ludwig von Ährenwalde sondern auch vom königlichen
Knappen Dragan von Werdenfels, Julianas kleinem Bruder
und der Blaukreuzerin Hildegard von Eisenlohe, Friedrichs
Schwester, begleitet. So war dann
auch die Freude der Geschwister darüber sich
wieder in die Arme schliessen zu können groß.
Die Turney begann mit einer großen Helmschau
für die sich Herr Leomar eigens eine hübsche
Helmzier hatte anfertigen lassen. Ärgerlicherweise
wurde das Ereignis durch einen unschönen Zwischenfall
überschattet.
Eine Dame stürzte bei der Helmschau auf einen
der Ritter zu,
beschuldigte ihn sie entehrt zu haben und behauptete
sein Kind unterm Herzen zu tragen, bevor sie sich
selbst mit einem Dolch das Leben nahm.
Das ganze stellte sich aber später als bösartiger
und vorsätzlicher Versuch heraus diesen Ritter
zu verleumden.
Bald schon wurde jedoch klar das in Normont andere
Sitten herrschten, die beispielsweise den Damen, und
vor allem dem Minnegericht, viel Macht einräumten.
So durfte ein Minnegericht entscheiden, wie die Herren
Ritter ihren Adelstitel nachweisen mussten, wenn sie
ihren Adelsbrief
nicht zur Hand hatten. Herr Baldur und Herr Sigismund
wurde
beispielsweise aufgetragen mindestens eine Stunde
lang während des abendlichen Balls zu tanzen,
obwohl die Baroness sich für beide verbürgte...
Noch am gleichen Abend hob das Turnier an. Leider
schied Herr Leomar schon ziemlich bald beim Kampf
mit der Zweihandwaffe aus. Wobei ich allerdings die
Vermutung habe, dass er dies Absichtlich tat um in
aller Ruhe seinen Wein trinken zu können, aber
das ist natürlich nur meine bescheiden Meinung.
Bei der Tjoste schlug sich Herr Leomar aber meisterhaft.
Sowohl die Ritter als auch die Knappen waren mit dem
Wettstreit vollauf beschäftigt. Die Baroness
hatte ihre liebe Not, die sich ständig verschiebenden
Wettstreite so im Auge zu behalten, das sie bei jedem
Kampf der dunkelbrunner Ritterschaft und des Herrn
Sigismund anwesend
sein konnte. Auf ihren ausdrücklichen Wunsch
hin wurden zumindest die Mahlzeiten gemeinsam eingenommen.
Im Gegensatz zu seiner Majestät König Hector
fand die Baroness auch Gefallen an dem Turnierkampf
der Tjoste. Sie und ihre Hofdame waren bei dieser
Disziplin oft auf den Zuschauerplätzen zu sehen.
Sinnvollerweise schickten die Herren Ritter ihre Knappen
zu dem ein oder anderen Vortrag der gehalten wurde.
Auch Friedrichs Schwester Hildegard hielt einen Vortrag
zur Erstversorgung von Wunden. Sie schien ihre Aufgabe
gut zu machen und die volle Aufmerksamkeit der Knappen
zu
geniessen. Denn ausser dem gelegentlichen Gezanke
von Anne-Sophie und Bartholomäus drang kaum ein
Geräusch aus dem Zelt nach außen.
Und damit die Ritter mit ihren Knappen und die Hofdame
Juliana sich auch in der Kunst des Tanzes üben
konnten, organisierte die Baroness eine private Tanzstunde
für die Beilsteiner und Galladoorner Gefolgschaft.
Wie sich herausstellte sollte es zum Tanzen tatsächlich
noch jede Menge Grund geben. Der Herr Adrian von Wolfengrund
forderte Herrn Baldur auf, die Forderung einzulösen,
welche dieser schon so lange mit sich trug.
Herr Baldur willigte ein, und Herr Adrian bat ihn
sein Trauzeuge zu werden. So wurde noch am selben
Abend die gesamte Beilsteiner Gefolgschaft zur Hochzeit
eingeladen.
Am letzten Tag der Turney wurden Herr Baldur und Herr
Sigismund bereits in den frühen Morgenstunden
zur Tjoste gerufen. Ärgerlicher Weise erschien
Herr Baldurs Kontrahent erst gar nicht zum Wettstreit.
Herr Leomar sagte zwar, daß ihm wohl einfach
der Met am Abend davor nicht bekommen war, doch ich
vermute der wahre Grund war simple Feigheit.
Jedenfalls verteidigten sowohl Herr Leomar, Herr Baldur
als auch Herr Sigismund den Ruf der Beilsteiner Ritter
ehrenvoll und übten sich zudem noch in der Tugend
der Bescheidenheit indem sie sich zwar bis zu den
besten Platzierungen des Turniers vorarbeiteten doch
den Sieg schließlich doch den anderen überließen.
Wie mir Herr Leomar erklärte war dies viel ehrenhafter
und weniger aufschneiderisch als wenn die gesamte
beilsteiner Ritterschaft die Siegerplatzierungen aller
Klassen für sich beansprucht und dadurch den
Gastgeber ja durchaus in Verlegenheit gebracht hätten.
Allerdings weiß ich nicht, ob die restlichen
Ritter oder gar König Hector dieser Aussage bedenkenlos
zustimmen würden. Aber Herr Leomar ist schließlich
bekannt für seine Bescheidenheit...
Doch ganz ohne einen Turniersieger sollten wir dann
doch nicht abreisen. Natürlich hatten die Herren
Ritter eine solche Profilierung auch gar nicht nötig,
doch schickt es sich durchaus, so wurde mir erklärt,
mit den Knappen zu protzen. Schließlich fallen
die Taten der Knappen stets auf die Ritter zurück
und umgekehrt. Jedenfalls bewiesen Ann-Sophie, Bartholomäus,
Frederick und Friedrich bei der Knappenturney sehr
eindrucksvoll wie gut ihre Ritter waren.
Vor allem Friedrich, der den Sieg davontrug brachte
ein Stück des Glanzes Beilsteins auf dieses Turnier.
Nicht nur das er den ersten Platz erstritt, er tat
dies mit einer derartigen Selbstverständlichkeit,
dass die hohen Herrschaften zunächst gar nicht
erkannten das er gewonnen hatte. Ann-Sophie klärte
dieses Missverständnis jedoch bald auf, indem
sie ihrem Bruder Herr Leomar in der Gegenwart der
restlichen Ritter und des Königs darauf ansprach.
Nachdem schließlich alle Turniere beendet worden
waren wurde zum großen Gestampfe gerufen. Offenbar
der eigentliche Höhepunkt der Turney. Zumindest
freuten sich Ann-Sophie und die Herren so sehr darauf
wie die Baroness auf die private Tanzstunde für
die Beilsteiner, zu der sie den Tanzmeister hatte
überreden können.
Sogar seine Majestät König Hector selber
rüstete sich um an diesem Ereignis teilzunehmen.
Ich begab mich mit den Damen auf die Zuschauerplätze
und verfolgte gebannt das eindrucksvolle Spektakel.
Die Baroness hatte sogar eigenst Fähnchen für
sich, Juliana und die Galladoorner Damen mitgebracht
um die Herren gebührend und vor allem
lautstark unterstützen zu können.
Im Nachhinein kann ich die Begeisterung der Damen
und Herren für das Gestampfe durchaus nachvollziehen.
Es besitzt die Anmut des Kampfes, ohne den bitteren
Beigeschmack des Krieges. Auch wenn Herr Baldurs Niederschlag
als ihn Herr Helm Tell, entgegen der Turnierregeln,
mit einem wuchtigen Schlag am Ohr traf, anderes Vermuten
ließ.
Selbst der Baroness und den Galladoorner Damen stand
der Schreck ins Gesicht geschrieben. Friedrichs Schwester
Hildegard rannte sofort hin um ihn zu versorgen. Zunächst
wirkte das alles sehr dramatisch, doch schon beim
Rückmarsch zum Lager konnte man Herr Baldur wieder
lautstark
mit Herr Leomar Beilsteins Liedgut verbreiten hören.
Nach dem Gestampfe ging die Turney endgültig
ihrem Ende zu. Es wurde zum Festessen und zum Tanz
gerufen. Der Herr von Nordend saß ebenfalls
bei uns am Tisch und so wurd die ein oder anderen
Erinnerung an Gleystoke ausgetauscht.
Doch sollte der Abend zu sehr später Stunde noch
einen festliches Ereignis bereit halten. Herr Leomar
und König Hector hatten beschlossen Friedrich
nach dem erfolgreichen Tag die Ehre des Ritterschlags
zukommen zu lassen. Einige hohe Damen und Herren aus
Galladoorn, Allerland und anderen Reichen, liessen
es sich trotz der fortgeschrittenen Stunde nicht nehmen,
bei diesem Ereignis dabeizusein.
Es war ein ergreifender Moment als sich der Knappe
Friedrich als Ritter Friedrich von Eisenlohe erhob.
So ist Beilstein und vor allem Dunkelbrunn nun um
einen Ritter reicher. Ich zweifle nicht daran das
Herr Friedrich dieser Aufgabe mehr als gerecht werden
wird...
Agnes Hufnagel, Magd des Herrn Leomar
von Löwenstein
gegeben im September des Jahres 7 n.H.
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